Wer jetzt bereits an morgen denkt, für den ist die Cloud schon heute von gestern

 

Zugegeben, meine These klingt ein wenig provokativ. Aber was spüren Sie, wenn Sie diesen Satz eine Weile auf sich wirken lassen?

Wer bereits lange genug auf der Welt ist, der weiß: Die Cloud war schon einmal da. Oder, genauer formuliert: Sie war seit der Erfindung der elektronischen Datenübertragung noch nie weg. Damals unter anderem Namen: Großrechner, Mainframe, Time Sharing, ArpaNet. Bis in die Achtziger hinein gab es für viele Firmen aufgrund astronomischer Hardwarepreise und Entwicklungskosten keine Alternative dazu, sich Rechen- und Programmierkapazitäten in Form von Dienstleistungen anzumieten. SaaS, IaaS, PaaS, XaaS … schmissige Buzzwords verkaufen uns heute die Technologiekonzepte von gestern als Lösung für morgen. Auch das ist ein Teil der Wahrheit, … der den Stellenwert dieser inzwischen gereiften, genialen Konzepte jedoch keinesfalls schmälern soll.

Aber wie geht es weiter?

Wenn wir den Faden nun etwas weiterspinnen, müssen wir uns fragen, wie lange es wohl dauern wird, bis die ersten Unternehmen ihre Situation in Sachen IT neu bewerten. Denn auch für die Cloud gilt: Fortschritt bedeutet Veränderung. Und Stillstand wird es niemals geben. Ist es wirklich für uns alle der Gipfel der technologischen Evolution, vitale, ja existenzielle Unternehmensbausteine in fremde Obhut zu geben?

Auch diese Frage war schon einmal da … und wurde – ausgelöst durch fallende Hardwarepreise und wachsendes Technologie-Knowhow – spätestens ab Mitte der Achtziger mit einem regelrechten Exodus aus den Rechenzentren klar beantwortet. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals als Servicetechniker täglich mit meinem bis unters Dach vollgepackten Lieferwagen zu Kunden in ganz Deutschland unterwegs war, um mit ihnen zusammen den Aufbau ihrer eigenen “Rechenzentren” begeistert zu zelebrieren.

Ist es möglich, dass sich diese Entwicklung wiederholen könnte? Ist es objektiv, aus der Vergangenheit auf die Zukunft zu schließen?

Meine Antwort: Ein klares “Jein”!

… das schon heute Anlass genug sein sollte, die Fortschritte der IT-Branche täglich neu zu hinterfragen. Ist die allgegenwärtig postulierte Alternativlosigkeit der aktuellen Entwicklung eine Tatsache oder nur ein Wunschtraum derer, die sie täglich predigen?

Fakt ist: Ein wirklich gutes IT-Konzept kann nicht aus einzelnen Standardlösungen oder Pauschalaussagen bestehen, sondern erfordert einen vielseitigen, individuell aufeinander abgestimmten Einsatz aller verfügbaren Technologien. Wer als Unternehmer einzelne davon kategorisch ausschließt oder sich ausschließlich auf einzelne davon fokussiert, beraubt sich selbst seiner strategischen Bewegungsfreiheit und gerät im ungünstigsten Fall sogar in eine nur schwer auflösbare Abhängigkeit, den “Vendor-Lock-In”

Ich persönlich bleibe ein Freund und Befürworter von “On-Premises First”-Strategien, denn für mich ist das vollkommene Schloss in den Wolken hauptsächlich eines: Eine schöne Illusion!

Wie denken Sie darüber?

Ihr

Ömer Ozan
treedata IT